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Blähglas - Ökobilanz

Wärmedämmstoffe

Herstellung: Gereinigtes Recyclingglas wird staubfein gemahlen, aufbereitet, granuliert und bei ca. 900 °C aufgebläht. Körnungen zwischen 0,25 mm bis 16 mm, Schüttdichte zwischen 100 bis 360 kg/m³.
Verwendung: als Leichtzuschlag für Leichtmörtel, Leichtputze, Leichtbeton, als Schüttdämmstoff für
Wärme-, Feuchtigkeits- und Trittschallschutz (das Blähglas-Granulat wird eingeblasen oder eingeschüttet); als plattenförmiger Dämmstoff für Schallschutz, Wärmeschutz, Brandschutz (Reapor)
Eigenschaften: nicht brennbar A1, unverrottbar, chemisch hoch beständig, alterungsbeständig, frostbeständig

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Blähglas-Granulat
2,1 MJ/kg (Werksangabe)
Perlite
9,3 MJ/kg
Blähton
5,0 MJ/kg
Blähglimmer
5,7 MJ/kg
Schadstoffe
hauptsächlich Emissionen aus Verbrennungsgasen
Bestandteile
ca. 95 % Altglas, Zucker, MnO2, Kalksteinmehl
Verfügbarkeit der Rohstoffe
begrenzt (Altglas als Recycling-Rohstoff)

Nutzung

Schadstoffe bei der Verar­beitung am Bau und im eingebauten Zustand
nein

Rückbau

Entsorgung
Ablagerung auf Bauschuttdeponie
Verwertung
loses Schüttgut kann aufgenommen bzw. abgesaugt, abgesackt und als Schüttdämmstoff wiederverwendet werden (bislang keine Recyclinglogistik vorhanden)
Rückbauaufwand
gering (für Schüttgut)

Zusammenfassung

Blähglas (Poraver, Liaver) wird als Leichtzuschlag für Leichtmörtel und Leichtbetone sowie als Schüttdämmstoff eingesetzt. In zementgebundenen Baustoffen soll Blähglas die Materialdichte und damit das Gewicht herabsetzen. Gleichzeitig werden damit auch die Wärmeschutzeigenschaften verbessert (vgl. Schaumglasplatten).
Nachhaltigkeit:
Ausgangsstoff für Blähglas ist Recyclingglas, das zunächst gereinigt, pulverisiert und mit Bläh- und Bindemitteln (CO2, Kohlestaub etc.) versetzt wird. Im Drehrohrofen expandiert das Pulver bei ca. 900 °C zu kleinen, geschlossenen Glaskügelchen. Der umweltrelevante Vorteil von Recyclingglas besteht vor allem darin, dass Altglas bei niedrigeren Temperaturen schmilzt als die zur Neuglasherstellung erforderlichen Rohstoffe. Je Prozentpunkt Scherbenzugabe verringert sich der Energiebedarf um ca. 0,2 bis 0,5 %. Ebenso reduzieren sich auch die mit dem Glasschmelzprozess verbundenen Umweltbelastungen (u.a. CO2- und NOx-Emissionen) wesentlich. Daneben werden Rohstoffe (u.a. Quarzsand, Soda, Kalk) eingespart und Deponieräume geschont.
Derzeit wird Blähglas in Deutschland nur in zwei Werken hergestellt, wodurch weite Transportwege sowohl bei Anlieferung des Rohstoffes als auch bei Zulieferung zu weiterverarbeitenden Betrieben entstehen können. Als Ausgangsstoff für Blähglasgranulat wird ausschließlich Altglas verwendet. Aus Sicht des Umweltschutzes hat das Altglas-Recycling zu Blähglasprodukten einen zweifachen Nutzen, weil hier zum einen anderweitig nicht verwendbare Sortierreste aus dem Behälter- und Hohlglasrecycling genutzt werden können, zum anderen Blähglas bei Einsatz als Wärmedämmstoff Energieeinsparungen ermöglicht. Neben Altglas der Behälter- und Hohlglasindustrie eignet sich als Rohstoff auch Flachglas, darunter Isoliergläser, Gussgläser und Spezialgläser, die aus Qualitätsgründen als Recyclingstoff für die Floatglasproduktion nicht infrage kommen. Blähglas aus solchen Flachglasabfällen kann evtl. auch als Betonzuschlagstoff (Leichtbeton) Verwendung finden, doch muss wegen möglicher Alkali-Kieselsäure-Reaktionen die Eignung im Einzelfall geprüft werden.
Neben der Verwendung in zementgebundenen Baustoffen ist Blähglas als Schüttdämmstoff einsetzbar. Mit einer Wärmeleitzahl von λ = 0,06 - 0,07 W/mK zählt Blähglas jedoch nicht zu den sehr leistungsfähigen Wärmedämmstoffen. Als Schüttung ist das Material problemlos und unbegrenzt rezyklierbar, bei Einsatz als Leichtzuschlag sind die beton- bzw. mörtelüblichen Verwertungsmöglichkeiten zu berücksichtigen (Leichtmörtel). Im Vergleich zum Leichtzuschlag Polystyrol ist die Entsorgung vereinfacht, da keine organisch/anorganischen Verbundstoffe vorliegen.
In der Nutzungsphase gehen von Blähglas keine Umwelt- oder Gesundheitsbelastungen aus.
Fazit:
Blähglas ist ein nicht brennbares, aus 95% Altglas hergestelltes Granulat. Durch die Verwendung von Altglas werden Rohstoffe und Wärmeenergie im Schmelzprozess gespart. Besonderer ökologischer Vorteil: Für die Herstellung eignen sich auch anderweitig nicht verwertbare Bauglasabfälle. Blähglasprodukte können mit dem Umweltzeichen RAL-UZ 49 (Blauer Engel) gekennzeichnet werden, sofern der Altglasanteil mindestens 51 Gew.-% beträgt. Gegenüber vergleichbaren Leichtzuschlägen weist Blähglas ein besonders günstiges Verhältnis aus geringer Dichte und hoher Festigkeit auf. Daraus ergeben sich vielseitige Anwendungsmöglichkeiten u.a. als Leichtzuschlag für die Herstellung mineralischer Leichtputze, für spritzbare mineralische Dämmsysteme oder neue Absorberwerkstoffe (Reapor-Schallabsorber). Eingesetzt als Wärmedämmstoff hat Blähglas mit einem Wärmeleitwert von 0,06-0,07 W/mK gegenüber den Massendämmstoffen (EPS, Mineralwolle) eine vergleichsweise geringe Wärmedämmleistung. Bei gleicher Eignung und um langfristig eine höhere Nachhaltigkeit zu erreichen, sind deshalb Produkte mit besserem Wärmedämmwert (z.B. Perlite) zu bevorzugen.

Quellen

- www.blauer-engel.de (Baustoffe überwiegend aus Altglas)
- www.wecobis.de
- www.natureplus.org
- Umweltbundesamt: Ökobase-Umweltdatenbank 8.0 (2000)
- Lippe, H.: Recyclingbaustoffe im Wohnungsbau, ifB Forschungsbericht F 757, Hannover 1995
- www.poraver.de
- www.ibo.at

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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