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Bodenbeläge - Ökobilanz

Bodenbeläge

Vgl. →Elastische Bodenbeläge, →Holz Bodenbeläge, →Textile Bodenbeläge, →Stein-Bodenbeläge

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Natursteinplatten
20 mm
ca. 20 MJ/m²
Hartkeramik
8 mm
ca. 120 MJ/m²
Fertigparkett
13 mm
ca. 70 MJ/m²
Linoleum
3,2 mm
ca. 60 MJ/m²
PVC-Belag
3 mm
ca. 110 MJ/m²
Textilbelag
5 mm
ca. 140 MJ/m²

Zusammenfassung

Vor der Entscheidung für einen bestimmten Bodenbelag sind die Anforderungen an den Bodenbelag abzuklären (Benutzungsart, Trittschalldämmung, Einwirkung von Feuchtigkeit, Wasser, Staub und Schmutz usw.). Erst dann ist die Belagsart gemäß diesen Prioritäten auszuwählen. Je nach Anwendung im Wohn-, Objekt- oder Industriebereich sind auch Farbe, Muster und Textur zu berücksichtigen, da diese die Reinigungskosten erheblich beeinflussen können. Im Objektbereich (z.B. Bürobau) sind die Reinigungskosten mit 60-80% Anteil der Jahreskosten für die Wirtschaftlichkeit entscheidend. Obwohl es sich dabei um über 90% Personalkosten handelt, ist die Wahl von Produkten, Maschinen und Geräten ökologisch relevant.
Den Reinigungsaufwand mindern und die Lebensdauer von Bodenbelägen verlängern können Maßnahmen wie:
- Auslegen von Grob- und Feinschmutzschleusen in Form von Fußabstreifern und Fußmatten im Eingangsbereich,
- Auslegen von Läufern auf viel begangenen „Laufstraßen“,
- Ausstatten von Möbeln, insbesondere von Tischen und Stühlen, mit Gleitunterlagen,
- Auswahl nicht allzu heller Beläge für stark strapazierte Bereiche.
Auswahlkriterien für Bodenbeläge sind Lebensdauer, Strapazierfähigkeit, Investitions- und Nutzungskosten, Energieaufwand für Herstellung, Verarbeitung, Pflege und Wartung, Raumluftqualität und Entsorgung.

Textile Bodenbeläge (Teppichböden) haben eine kurze Lebensdauer und sind nur mit großem Reinigungs-aufwand hygienisch sauber zu halten. Sie sollten deshalb sparsam eingesetzt werden. Vorteile aus ökologischer Sicht haben Teppiche aus nachwachsenden Rohstoffen (Schafschurwolle/Kokos/Sisal) mit Rücken aus Naturlatex, Jute oder Hanf. Sie enthalten zum überwiegenden Teil keine umweltrelevanten Bestandteile und erfüllen die Grenzwerte für eine umweltgerechte Verbrennung. Das Gros der textilen Beläge wird in der Regel mit verschiedenen Hilfsmitteln für die Textilveredelung ausgerüstet. Die Produktevielfalt ist groß (z.B. Antimikrobiotika, Antistatika, Appreturmittel, Mottenschutzmittel). Darunter befinden sich diverse umweltrelevante Produkte. Auch bei der Verbrennung von textilen Belägen können Probleme, z.B. durch vulkanisierte SBR-Rückenmaterialien (Zink) oder bei der Verwendung von Fluorkarbonharzen zur Hydrophobierung (Fluor), auftreten. Beim Kauf ist in jedem Fall das GuT-Signet zu verlangen.
Alternativen sind Parkett, Kork, Naturkautschuk, Linoleum und Kunststoffböden.

Bei Parkett sind →Lösemittel und Formaldehyd bei der Verklebung und Versiegelung ein Problem. Anstelle von Formaldehydharzen sollten Dispersionsleime oder pflanzliche Leime verwendet werden. Zum Versiegeln keine Säurehärter und PU-Lacke verwenden, sondern wässrige Siegel (Acryl- oder PU/Acryl-Dispersionen). Anstelle einer Versiegelung kann das Holz geölt und/oder gewachst werden (mit Hartöl, Hartwachs). Holzbeläge sollten das FSC-Siegel tragen (→Tropenholz). Dieses Signet steht für Holz aus nachhaltiger Waldwirtschaft. Es ist das einzige Holzlabel, das international kontrolliert wird.

Die elastischen Bodenbeläge (Linoleum, Kork, Polyolefine, Kautschuk, PVC) schneiden betreffend Investition und Unterhaltskosten (Pflege) generell günstig ab. Linoleum und Kork sind auch ökologisch günstig. In Linoleum und Korklinoleum können eventuell noch umweltrelevante Bestandteile in Form von schwermetallhaltigen Sikkativen (Trocknungsstoffen) enthalten sein. Nur die neuesten Linoleumbeläge kommen ohne schwermetall-haltige Trocknungssysteme aus. Bei den Kunststoffbelägen müssen die Zusätze (Stabilisatoren, Weichmacher, →Flammschutzmittel) bzgl. ihrer Menge und Schädlichkeit überprüft werden. Im Brandfall entwickeln PVC-Beläge Salzsäuredämpfe, diese stellen in sensiblen Bereichen, z.B. in Rechenzentren, ein besonderes Problem dar. PVC-freie Kunststoffbeläge (z.B. Polyolefine) oder Beläge aus Naturkautschuk sind eine Alternative und erfüllen etwa die gleichen Gebrauchsansprüche. In Fluchtwegen ist die Brandklasse der Beläge zu beachten. Bei Kunststoffbelägen muss die Wiederverwertung gewährleistet sein.

Mit Stein- und Tonplatten sind ökologisch optimale Lösungen möglich, wenn für die vorgesehene Nutzung das richtige Produkt und die richtige Oberflächenbehandlung gewählt werden. Plattenbeläge sind bei geeigneter Farbwahl extrem langzeitbeständig. Besonders zu beachten sind dabei Abriebfestigkeit, Trittsicherheit, bei Tonplatten auch Bruchsicherheit. Von Stein-und Tonbelägen gehen i.d.R. keine Umwelt- und Gesundheitsgefahren aus.
Vgl. Datenblätter zu den Themenbereichen →Elastische Bodenbeläge, →Holz Bodenbeläge, →Textile Bodenbeläge, →Stein-Bodenbeläge.

Quellen

- KBOB/IBP Bundesamt für Bauten und Logistik (CH-3003 Bern, Holzikofenweg 39): Bodenbeläge im Bürobau - Vergleich über 50 Jahre, Ausgabe 2000/1
- Umweltbundesamt: Produktökobilanzen und ihre Anwendungsmöglichkeiten im Baubereich, UBA-Texte 69/98
- Verbraucherzentrale (Hrsg.): Fußböden; vom Naturstein bis zum Kunststoff, Bonn 1998
- KBOB/IBP Bundesamt für Bauten und Logistik (CH-3003 Bern, Holzikofenweg 39): Baumaterialien im Hochbau, Aktualisierung 1/2002

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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