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Brettschichtholz - Ökobilanz

Holzbaustoffe

Brettschichtholz (BSH) besteht aus mind. drei Einzelbrettern (in der Baupraxis sind meist wesentlich mehr Brettschichten üblich); die Bretter werden mit ihren Breitseiten übereinander verleimt, wobei die Brettstärke normal höchstens 30 mm beträgt. In der Bundesrepublik wird für BSH meist Fichtenholz (zu 99 %) verwendet.

Herstellung

Schadstoffe
vorwiegend Emissionen aus Verbrennungsprozessen
Energieverbrauch im Vergleich
Brettschichtholz
(Fichte)
ca. 5.670 MJ/m³
Konstruktionsvollholz (Fichte)
technisch getrocknet, gehobelt, ohne Keilverzinken
ca. 1.875 MJ/m³
Bestandteile
ca. 97% Schnittholz (Fichte), ca. 3% Leim, evtl. Imprägnierung
Verfügbarkeit der Rohstoffe
ausreichend (für Holz als nachwachsender Rohstoff)
begrenzt (für Leim als Erdölprodukt)
Energieverbrauch im Vergleich (Rohr DN 100)
Schnittholz (Fichte)
ungetrocknet, sägerau
ca. 500 MJ/m³

Nutzung

Schadstoffbelastung im eingebauten Zustand
Phenol-Resorcin-Formaldehydleim (PRF): sehr geringe Formaldehydemissionen
Melamin-Formaldehydleim (MF): erhöhte Formaldehydemissionen möglich
Harnstoff-Formaldehydleim (UF): stark erhöhte Formaldehydemissionen möglich

Rückbau

Entsorgung
stoffliche oder energetische Verwertung
Verwertung
Wiederverwendung von BSH denkbar bei zerstörungsfreiem Ausbau; sonst hoch- wertige thermische Verwertung in speziellen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.
Rückbauaufwand
eher gering (je nach Einbausituation)

Zusammenfassung

Brettschichtholz besteht aus mindestens drei verleimten, bis zu 33 mm dicken Brettlagen (Lamellen) aus Nadelholz und wird überwiegend für konstruktive Zwecke (Träger und Balken) eingesetzt. Die faserparallele Verleimung erfolgt zu dem Zweck, Balken großer Dimension (z.B. für Hallenbauten) herzustellen, wobei die festigkeitsmindernden wuchsbedingten Schwachstellen des Holzes (große Äste, etc.) ausgeglichen werden.
Z.Zt. werden in Deutschland jährlich etwa 450 000 m³ Brettschichtholz hergestellt. Die wichtigste Holzart ist mit einem Anteil von 99 % die Fichte.
Nachhaltigkeit:
Für die Herstellung von 1 m³ BSH werden 2,2 m³ Rundholz benötigt, dabei fallen 1,2 m³ als Restholz an. Im ersten Produktionsschritt wird zunächst Rundholz zu Schnittholz verarbeitet. Das überwiegend sägefrische Schnittholz hat nach Freilufttrocknung noch eine Holzfeuchte von 40 %, bevor es zum BSH-Hersteller transportiert wird. Die Transportentfernung vom Sägewerk zum Brettschichtholzhersteller beträgt bis zu 1000 km. In der Transportentfernung schlägt sich der hohe Anteil an importiertem Schnittholz (u.a. aus Schweden, Österreich, Norwegen) nieder. Aus diesem Grund kommt der Herkunft des Holzes eine nicht unerhebliche Bedeutung zu. Schnittholz wird zu über 50 % mit der Bahn transportiert.
Beim BSH-Hersteller wird das Schnittholz zunächst auf die Endfeuchte von 8 - 12 % getrocknet und dann unter Druck schichtweise zu stabilen Bauteilen verleimt. Für 1 m³ BSH kommen ca. 15 kg Formaldehydleim zum Einsatz (meist Phenol-Resorcin-Formaldehydleim, sonst Harnstoff-Formaldehydleim oder Melamin-Formalde-hydleim).
1 m³ Brettschichtholz benötigt vom Wald über die Herstellung bis hin zum Rückbau insgesamt 5.670 MJ Primärenergie. Aus den Resthölzern der Herstellung (1,2 m³) und dem Brettschichtholz (1 m³) lassen sich 18.700 MJ Primärenergie erzeugen, dreimal mehr als während des Lebensweges verbraucht wird. Somit liegt für BSH ein erheblicher Energieüberschuss vor (= „Plusenergieprodukt“) (vgl. Abb. 1).
Im Vergleich zu Tragkonstruktionen aus Konstruktionsvollholz* weist Brettschichtholz eine bedeutend größere Graue Energie auf (mindestens Faktor 2). Aus ökologischer Sicht ist deshalb, und soweit statisch zulässig, Konstruktionsvollholz* zu bevorzugen.
Auf einen vorbeugenden chemischen Holzschutz ist möglichst zu verzichten. Für einen ökologisch sinnvollen Holzschutz sind primär Maßnahmen der baulichen Gestaltung, konstruktive und materialtechnische Maßnahmen sowie Schutzmaßnahmen während der Bauphase zu berücksichtigen. Kann auf den chemischen Holzschutz nicht verzichtet werden, ist aus ökologischer Sicht der Einsatz von Holzschutzmitteln mit dem RAL-Gütezeichen zu bevorzugen. Für die Oberflächenbehandlung sind nur die wässrigen Lasuren als „ökologisch interessant“ mit einer Umweltbelastungszahl unter 10 gekennzeichnet (vgl. Abb.2).
Als Entsorgungswege kommen für BSH die Wiederverwendung (bei zerstörungsfreiem Ausbau), die Verbrennung in geeigneten Feuerungsanlagen und die Weiterverarbeitung zu Holzwerkstoffen in Frage.
Fazit:
Brettschichtholz wird vor allem für gekrümmte Träger, Stabzugträger, Gelenkbogen und Rahmen verwendet, wenn keine Materialvarianten zur Verfügung stehen. Die Verleimung erfolgt i.d.R. mit Formaldehydharzen. In Innenräumen kann Formaldehyd eine bedeutende Quelle für gesundheitsschädliche Emissionen sein. Brettschichtholz mit Kontakt zur Raumluft sollte deshalb die Anforderungen des Umweltzeichens RAL-UZ 38 (Blauer Engel für emissionsarme Produkte aus Holz und Holzwerkstoffen) erfüllen.
Als ökologische Verbesserung (geringere Graue Energie, weniger Leim) besteht bei Wahl geeigneter Spannweiten die Möglichkeit, auf Konstruktionsvollholz auszuweichen. Konstruktionsvollholz entsteht durch kerngetrennten oder kernfreien Einschnitt, technische Trocknung und sorgfältige Sortierung aus heimischem Nadelholz.

Quellen

Deutsche Gesellschaft für Holzforschung (Hrsg.): Holz, Rohstoff der Zukunft, München 2001
Richter, K.; Sell, J. (EMPA): Ökobilanzen von Baustoffen und Bauprodukten aus Holz, CH-Dübendorf 1992
Wegener, G.; Frühwald, A. (Hrsg.: Deutsche Gesellschaft für Holzforschung): Ökobilanzen Holz, München 1997

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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