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Hanf Dämmstoffe - Ökobilanz

Wärmedämmstoffe

Für die Dämmstoffherstellung kommen vor allem die Kurzfasern des Hanfes infrage. Zur Fasergewinnung werden die Bastfasern vom Holzkern getrennt. Im herkömmlichen Verfahren durchlaufen die Fasern einen „Röstprozess“, d.h. die Ernte verbleibt einige Wochen auf dem Feld, damit sich die Fasern aufschließen. Bei der Fasergewinnung fallen Schäben an, die sich für die Herstellung von Pressspanplatten und Schüttgut eignen.
Eigenschaften: geeignet für Wärmedämmung, verrottungsfest, ungezieferbeständig, B2 (normal entflammbar)
Anwendung (Fasern): für Dämmstoffe (Stopfwolle, Dämmvliese, Thermo-Bags), Baupapiere, Geotextilien
Anwendung (Schäben): für Schüttungen (bituminiert = MEHABIT)

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Hanffaser
ca. 15 MJ/kg
Flachsfaser
ca. 34 MJ/kg
Zellulosefasern
ca. 4 MJ/kg
Holzfaserplatten
ca. 15 MJ/kg
Bestandteile
- Hanffasern, 10-15 % Polyester-Stützfasern, 3-5 % Soda (als Flammschutzmittel)
Verfügbarkeit der Rohstoffe
- bislang sehr begrenzt; der Hanfanbau wird jedoch in den nächsten Jahren ausgeweitet (Anbaufläche Deutschland 1996: 1 423 ha, 2000: 3 577 ha)

Nutzung

Schadstoffe bei der Verar­beitung am Bau und im eingebauten Zustand
- evtl. beim Einbau Belastung durch Feinstaub: MAK-Wert 6 mg/m³

Rückbau

Entsorgung
- als Dämmvlies bei zerstörungsfreiem Ausbau wiederverwendbar
- Entsorgung in Abfallverbrennungsanlagen mit thermischem Gewinn
Verwertung
- Schüttgut kann aufgenommen und wiederverwendet werden;
- Recycling von Dämmmatten aufgrund der Verbundstoffe nicht möglich
Rückbauaufwand
- gering bis mäßig hoch (je nach Konstruktion)

Zusammenfassung

Hanf -Dämmstoffe werden aus den Bastfasern der Hanfpflanze hergestellt.
Nachhaltigkeit:
Der Hanfanbau wird in Europa heute vor allem aus ökologischen Gesichtspunkten propagiert. In einer Studie des ifen-Instituts werden die Auswirkungen des Anbaus und der Ernte von 1t Hanffasern und 1 t Baumwollfasern miteinander verglichen. Im Ergebnis wird festgestellt, dass die Substitution von Baumwolle durch Hanf im Textilbereich beträchtliche ökologische Vorteile aufweist.
Hanf ist eine äußerst robuste und anspruchslose Kulturpflanze der gemäßigten Breiten. Für den Hanfanbau sind zwar Düngemittel notwendig, i.d.R. aber keine Pflanzenschutzmittel. Seit 1996 werden in Deutschland Hanfsorten mit geringem Tetrahydrocannabinol (THC) (unter 0,3 %) angebaut. Von 1998 bis 2000 hat sich der Anbau bei etwa 3500 ha eingependelt. EG-weit erhalten Landwirte als Beihilfe derzeit jährlich ca. 650 EUR/ha. Geerntet und aufbereitet wird Hanf mit der selben Wirrfaser-Verfahrenskette wie Flachs. Röstverfahren, Schwingprozess (Brechen, Schlagen) und Hecheln (Kämmen) liefern die wertvollen Langfasern sowie die als Hechel- oder Schwungwerg anfallenden Kurzfasern. Im Gegensatz zu Flachs enthält Hanf stärker verholzte Faserteile, die gröber und steifer, aber reißfester sind.
In Baden-Württemberg wurde 1996 die erste deutsche Hanffaseraufschlussanlage in Betrieb genommen (Bafa). Weitere Anlagen stehen inzwischen in Niedersachsen und Brandenburg. Wie bei Flachs ist die Rohstoffgewinnung sehr aufwändig, geringen Aufwand erfordert dagegen die Weiterverarbeitung zu Dämmmatten, die getrennt in einem weiteren Werk erfolgt (Rowa). Einziger Anbieter für Hanf-Dämmstoffe in Deutschland ist die Fa. Hock (Thermo-Hanf). Die Fasermatten erhalten 15 % Polyester-Stützfasern, als Flammschutzmitttel werden 3-5 % Soda zugesetzt. Soda ist ätzend, für Feinstaub sind Grenzwerte zu beachten. In der Nutzungsphase gehen von Hanf-Dämmstoffen keine Gesundheitsgefahren aus.
An Grauer Energie werden ca. 375 MJ/m³ aufgewendet. Der Hauptanteil der Grauen Energie mit ca. 240 MJ/m³ bezieht sich auf die Rohstoffgewinnung, d.h. Düngereinsatz, Ernteverfahren und Polyestergehalt. Insgesamt leisten Hanffasern einen positiven Beitrag gegen den Treibhauseffekt (-0,55 kg CO2-Äq./kg). Als Entsorgungsweg bietet sich die thermische Verwertung in Abfallverbrennungsanlagen an, ein Recycling des Verbundstoffes ist nur begrenzt möglich.

Fazit:
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/mK erweist sich die Hanffaser als bautechnisch und bauökologisch gut geeigneter Wärmedämmstoff. Für die weitere Verbreitung der Hanffaser spricht, dass die Gesamtpflanze einen hohen Hektarertrag erbringt und im Gegensatz z.B. zur Holzfaser schon ein grober Aufschluss der Faser zur Dämmstoffverarbeitung genügt. Als weiteres Plus für die Dämmstoffnutzung gilt, dass Hanffasern kein Eiweiß enthalten, und somit eine Behandlung gegen Motten und Käfer mit zweifelhaften Mitteln wie z.B. Halogenen oder Borax entfällt. Nicht zuletzt lässt sich die Pflanze vielseitig nutzen z.B. zur Erzeugung von Baupapieren, Geotextilien und Schüttungen (Mehabit).

Bei wachsender Nachfrage für Hanffasern seitens der Industrie und der längerfristig zu erwartenden Verknappung der Rohstoffquelle Erdöl ist eine Produktionsausweitung zur Substitution der Kunstfaser denkbar. Vorerst stellt aber der Hanfanbau lediglich für eine begrenzte Anzahl von Landwirten eine sinnvolle Anbaualternative dar. Denn nur bei wirtschaftlicher Beihilfe sowie geeignetem Standort, günstigen Witterungsbedingungen und regional gesicherten Absatzmöglichkeiten ist der Anbau in unseren Breiten wirtschaftlich rentabel.

Quellen

- www.natureplus.org
- www.wecobis.de
- www.baubook.at
- Murphy, D.P., Behring, H., Wieland, H., Jäger, J. (Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Braunschweig): Möglichkeiten und Chancen von Dämmstoffen aus heimischen nachwachsenden Rohstoffen, Braunschweig 1998 http://www.dainet.de
- Hanf, C.-H., Drescher, K. (Universität Kiel): Zusammenfassende Beurteilung der Zukunftschancen von Hanf und Hanfprodukten, Kiel 1996
http://wbtd15.biozentrum.uni-wuerzburg.de/homepage/Allgemein/Rohstoff/www_2/NR0/haupt1.htm

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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