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Holzweichfaserplatten - Ökobilanz

Holzbaustoffe

Holzweichfaserplatten (vgl. Holzfaser-Dämmplatten) sind Holzwerkstoffplatten mit einer Dichte bis 450 kg/m³, die aus zerfaserten Resten von Nadelhölzern hergestellt werden. Die Faserbindung beruht auf der Verfilzung der Fasern sowie deren eigener Verklebungsfähigkeit. Durch Zugabe von Bitumen- oder Latexemulsion werden die Platten feuchteunempfindlich.
Verwendung: als Wand- und Dachschalungsplatte auf Holzunterkonstruktionen, als diffusionsoffene Unterdeckplatte für hohlraumfreie gedämmte Dächer; als Spezialplatte für Trittschallschutz etc.

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Holzweichfaserplatte
einschichtig, ohne Bindemittel
im Naßverfahren, 160 kg/m³
ca. 2465 MJ/m³
Holzweichfaserplatte, mehrschichtig, ohne Bindemittel im Naßverfahren, 1,5% PVAc, 160 kg/m³
ca. 2670 MJ/m³
Holzweichfaserplatte,
12% Bitumen
200 kg/m³
ca. 4200 MJ/m³
Schadstoffe
- vorwiegend aus Energieprozessen der Faserherstellung und der Herstellung von Zusatzstoffen
Bestandteile
naturharzgebundene Holzfaserdämmplatte:
85% Nadelholz, 6% Wasser, 7,3% Naturkleber, 1,7% Aluminiumsulfat (Alaun)
bituminierte Holzfaserplatte:
80,5% Nadelholz, 6,0% Wasser, 2,0% Kolophonium, 0,5% Aluminiumsulfat (Alaun), 11,0% Naturbitumen
Verfügbarkeit der Rohstoffe
- ausreichend (für Holz als nachwachsender Rohstoff)
- begrenzt (für Bindemittel aus Erdölprodukten)

Nutzung

Schadstoffe bei der Verarbeitung am Bau
- Holzstaubbelastung beim Zuschneiden (ohne Eichen- und Buchenholzstaub):
Grenzwerte und Einstufungen: TRK: 2 mg/m³ gemessen in Gesamtstaub, Gefahr der Sensibilisierung (S); EG-Kategorie K3: Stoffe, die wegen möglicher krebserzeugender Wirkung beim Menschen Anlaß zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen.
Schadstoffbelastung im eingebauten Zustand
- nein (keine Schadstoffemissionen bekannt)

Rückbau

Entsorgung
- thermische Verwertung in zugelassenen Feuerungsanlagen
Verwertung
- stofflich hochwertige energetische Verwertung in speziellen Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Rückbauaufwand
- gering bei homogenen Konstruktionen aus Holz und Holzwerkstoffen

Zusammenfassung

Holzweichfaserplatten (vgl. Holzfaser-Dämmplatten) sind im Nassverfahren hergestellte Holzwerkstoffplatten mit einer Dichte bis 450 kg/m³. Die Faserbindung beruht auf der Verfilzung der Holzfasern sowie deren eigener Verklebungsfähigkeit. Anstelle der natureigenen Harze kann auch Bitumen bzw. Latex als Bindemittel eingesetzt werden. Holzweichfaserplatten weisen sowohl gute Wärmedämm-, als auch gute Wärmespeicher- und Schallschutzeigenschaften auf, sie sind relativ dampfdiffusionsoffen und gleichzeitig winddicht.
Nachhaltigkeit:
Rohstoffe für Holzfaserplatten sind Resthölzer aus Sägewerken und Durchforstungsarbeiten. Meist werden die Hölzer aus einem Umkreis von 50-100 km zum Werk bezogen. Zum Teil stammt das Holz aus FSC-zertifizierter Waldwirtschaft (siehe Tropenholz). Im Werk werden die Resthölzer zunächst bis zur Fasergröße weitgehend aufgelöst, dann zusätzlich in einem Reaktionsbehälter mit Dampf aufgeschlossen und anschließend im Refiner nachgemahlen. Bei Bedarf werden die aufbereiteten Fasern mit Zusatzmitteln vermengt, danach in Wasser suspendiert und auf eine Formmaschine gebracht. Nach dem Absaugen des Produktionswassers erfolgt die Plattenpressung und anschließend die Plattentrocknung von 40 % auf 2 % Restfeuchte.
Die Faserherstellung und -trocknung ist sehr energieaufwendig (vgl. MDF-Platten). Für Platten der Rohdichte 160 kg/m³ werden insgesamt ca. 2465 MJ/m³ Graue Energie aufgewendet. Der größere Teil der Primärenergie wird durch das Verbrennen von regenerativen Produktionsabfällen (Rinden- und Holzresten) erzeugt (ca. 4800 MJ/m³) und ist in der Grauen Energie nicht enthalten. An der Grauen Energie sind als Energieträger Strom sowie fossile Brennstoffe beteiligt. Das Verhältnis erneuerbare zu nicht erneuerbarer Primärenergie beträgt in etwa 2:1. Bei mehrschichtigen Weichfaserplatten (ab 30 mm Dicke) ist die Graue Energie durch den Kleber nur leicht erhöht, bei Bitumenbindung dagegen um ca. 30 %.
Fazit:
Ökologische Vorteile der Holzweichfaserplatte liegen in der einfachen Produktzusammensetzung ohne problematische Zusatzstoffe. Aufgrund der CO2-Speicherung im Holz ist eine hohe Nachhaltigkeit gegeben, ökologisch besonders günstig sind Platten aus heimischem Holz FSC-zertifizierter Wälder (Tropenholz).
Holzweichfaserplatten lassen sich als Holzwerkstoffplatte sowie als Dämmstoffplatte einsetzen. Im Vergleich mit den Holzwerkstoffen (Spanplatten, OSB-Platten, MDF-Platten) ist die Graue Energie gering, im Vergleich mit den biogenen Dämmstoffen (z.B. Zellulose, Hanffaser) sehr hoch. Der ökologisch sinnvolle Einsatz der Holzweichfaserplatte liegt deshalb mehr im Funktionsbereich einer Bauplatte z.B. als Wand- oder Dachschalung im Holzbau. Die Holzfaser-Dämmplatte kommt dann infrage, wenn eine hohe Wärmespeicherkapazität sowie guter sommerlicher Wärmeschutz und Schallschutz gefordert sind.

Quellen

- www.wecobis.de
- www.natureplus.org/
- www.positivlisten.de
- Mötzl, H., Zelger, T. (Hrsg.: IBO - Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie, Donau-Universität Krems, Zentrum für Bauen und Umwelt): Ökologie der Dämmstoffe, Wien 2000
- Frühwald, A. et al. (Deutsche Gesellschaft für Holzforschung): Holz, Rohstoff der Zukunft, München 2001

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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