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Leichtziegel - Ökobilanz

Massivbaustoffe

Leichtziegel werden aus Ton, Lehm und Sand hergestellt. Sie erreichen durch größeren Anteil der Lochflächen durch einen größeren Porenanteil im Ziegelscherben Rohdichteklassen von 0,6 bis 1,0 kg/dm³. Dem Rohton ist meist brennbares Material (Sägemehl, Polystyrol in Form einzelner Kügelchen) beigemischt, das beim Brand Gasporen bildet. Abschließend werden die Lagerflächen zu sog. Planziegeln glattgeschliffen, was gegenüber der konventionellen Mörtelverfugung ein „Verkleben“ der Ziegel ermöglicht (= 90% Mörtelersparnis).

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Klinker (2,0), frostbeständig
6160 MJ/m³
Porenbetonstein (0,4)
1315 MJ/m³
Leichtziegel (0,7)
1555 MJ/m³
Vollziegel (1,8)
4000 MJ/m³
Schadstoffe
- vorwiegend aus Verbrennungsprozessen
Bestandteile in der Rohmasse (in Vol.-%)
Wienerberger-Poroton (in Vol.-%)
70-90% Ton, Mergel, Lehm
0-15% Sand
0-15% Kalkgestein
< 1% Sonstiges
des weiteren:
bis 10% Kohlestaub oder Kalkstein-mehl oder bis 20% Polystyrol
Poroton-Ziegel (in Vol.-%)
70-90% Ton, Lehm, Mergel
0-15% Sand
0-15% Kalkgestein
<1% Sonstiges
des weiteren möglich:
bis 10%Kohlestaub od. Kalksteinmehl od. bis 20% Polystyrol oder Zellulosefasern
Unipor-Ziegel (in Vol.-%)
10-40% Tonerde
40-60% Quarzsand
0-30% Kalk
<20% Glühverluste
bis ca., 35%Sägemehl (Porosie-rungsmittel), Ausbrennstoffe: Kohle o. Holzfaserstoffe
Verfügbarkeit der Rohstoffe
- ausreichend (Ton, Lehm, Sand, Sägemehl (evtl. Recyclat)
- begrenzt (Erdölprodukt Polystrol (evtl. Recyclat), Kohlestaub u.ä.)

Nutzung

- nein

Rückbau

Entsorgung
- als Bauschutt deponierbar
Verwertung
- als Recyclinggranulat für Leichtputz, Wärmedämmputz, als Substrat für Gründächer
Rückbauaufwand
- gering bis hoch (je nach Konstruktion)

Zusammenfassung

Leichtziegel werden als sog. Hochlochziegel hergestellt, wobei der Lochanteil heute bis zu rund 60% beträgt. Als weitere Verbesserung des Wärmeschutzes werden der Ziegelrohmasse bis zu 40 Vol.-% Materialien (Sägemehl, Polystyrol) zugesetzt, die beim anschließenden Brand verglühen und als vorwiegend kugelförmige Lufträume im Ziegel verbleiben. Zur weiteren Verbesserung der Wärmedämmleistung können Leichtziegel mit →Perlite verfüllt werden. Leichtziegel werden in Deutschland in etwa 150 Werken hergestellt und können in einem Umkreis von meist weniger als 50 km bezogen werden.
Nachhaltigkeit:
Leichtziegel werden aus den natürlichen Rohstoffen Lehm und Ton gebrannt. Die Rohstoffe lassen sich i.d.R. schonend und oberflächennah abbauen. Die Abbauflächen liegen in der Nähe der Produktionsstätten und können nach Ablauf der Nutzung rekultiviert werden.
Beim Ziegelbrand ist der Primärenergieeinsatz im Vergleich zu anderen Wandbaustoffen wegen des notwendigen Hochtemperaturprozesses sehr hoch (s.a. →Mauerziegel). Bei Leichtziegel relativiert sich dies jedoch aufgrund der geringen Rohdichten, so dass sich der Energiebedarf nicht signifikant z.B. von Porenbetonsteinen unterscheidet. In der Herstellungsphase betrifft der Energieverbrauch zu zwei Dritteln den Brennvorgang und zu einem Drittel das Trocknen, Konfektionieren und den internen Transport. Rund ein Viertel des Gesamt-Brennstoff-Energieverbrauches wird aus Sekundärbrennstoffen (Sägemehl, Polystyrol, Papierfangstoffe) gewonnen. Für den Energiebedarf sehen Verbandsvertreter der Ziegelindustrie mithilfe besserer Energienutzung künftig noch ein Minderungspotenzial von 10 bis 15%.
Beim Ziegelbrand treten als Emissionen u.a. Kohlenwasserstoffverbindungen, z.B. Formaldehyd, Phenol, Benzol (aus Polystyrol) als Schwelgase auf. Es gibt Entwicklungen, diese Schadstoffe über eine Nachverbrennung zu eliminieren und als Energierohstoffpotenziale zu nutzen. Derzeit allerdings sind Emissionen aus den diversen Sekundärrohstoffen noch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet. Nach derzeitigem Wissensstand ist aber beim Einsatz von Porenbildnern eine Gesundheitsbelastung in der Nutzungsphase oder eine Umweltbelastung bei der Deponierung nicht zu erwarten.
Als Wandbaustoffe können Leichtziegel eine Nutzungsdauer von 100 Jahren und mehr erreichen. Noch wenig ausgereift sind bislang Konzepte zur Verwertung von Abbruchziegeln. In der Schweiz und in Österreich werden bereits Abbruchziegel und Mörtelreste zu Recycling-Mauersteinen verarbeitet. Daneben lässt sich Ziegelabbruch z.B. zu Recyclingsand vermahlen, der für Ziegelsplittbeton, Leichtmörtel oder Wärmedämmputz einsetzbar ist.
Fazit:
Leichtziegel werden aus Ton gebrannt und zur Verbesserung der Wärmeschutzeigenschaften mit einer möglichst großen Anzahl von Lufträumen (Lochflächen, Poren) versehen. Um den hohen Aufwand an Grauer Energie beim Brennprozess zu senken, können Abfallstoffe als Energieträger eingesetzt werden.
Ein nachhaltig günstiges ökologisches Profil für Ziegelmauerwerk wird erreicht, wenn der U-Wert der Außenwände mindestens die Anforderungen des Niedrigenergiestandards erfüllt. Dazu sind i.d.R. zusätzliche Wärmedämmmaßnahmen notwendig. Bei richtiger Ausführung der Wärmeschutzes bleiben die ausgewogenen Wohneigenschaften des Ziegelmauerwerks erhalten oder lassen sich noch verbessern.

Quellen

- Arbeitsgemeinschaft Mauerziegel e.V (Hrsg.): Ökologisches Bauen mit Ziegeln, Bonn 1998
- Arbeitsgemeinschaft Umweltverträgliches Bauprodukt e.V.: Poroton-Mauerziegel, Unipor-Mauerziegel
- Umweltbundesamt: UBA-Texte 47/99

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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