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Regenwassernutzungsanlagen - Ökobilanz

Wassersparen

Mit Regenwassernutzungsanlagen kann in Privathaushalten das Betriebswasser für Waschmaschine, WC-Spülung, Reinemachen und Gartenbewässerung bereitgestellt werden.
Seit April 2002 besteht die DIN 1989 Teil 1 zu Planung, Ausführung, Betrieb und Wartung von Regenwassernutzungsanlagen. Die Teile 2-4 der DIN 1989 betreffen Filter, Regenwasserspeicher und Bauteile zur Steuerung und Überwachung.

Zusammenfassung

Deutschland ist mit einem mittleren jährlichen Niederschlag von 830 l/m² eines der wasserreichsten Länder der Erde. Dennoch entstehen zunehmend Schwierigkeiten, Trinkwasser in ausreichender Qualität zur Verfügung zu stellen. Hierzulande wird der Wasserbedarf zu etwa 50 % mit Grundwasser gedeckt. In einigen Regionen kommt das Trinkwasser sogar ausschließlich aus den verschiedenen Grundwasserstockwerken. Zu hohe Grundwasserentnahmen können jedoch erhebliche Auswirkungen für die Umwelt haben. Die Folge sind z.B. sinkende Grundwasserspiegeln und die vermehrte Austrocknung von Feuchtgebieten. Um zu gewährleisten, dass auch in Zukunft Trinkwasser in hoher Qualität und ausreichender Menge vorhanden ist, muss zum einen Wasser eingespart werden, aber auch zum anderen nach Möglichkeiten gesucht werden, Trinkwasser zu substituieren. Das Wassersparen kann auf mehrere Weisen erfolgen:
- durch eine Änderung im Verbraucherverhalten,
- durch den Austausch veralteter Installationen durch moderne wassersparende Installationen und
- durch die Nutzung von Regenwasser.
Setzt man die ersten beiden Maßnahmen konsequent im Privathaushalt um, so kann dadurch bereits der durchschnittliche Trinkwasserverbrauch um ca. ein Drittel gesenkt werden (z.B. Wassersparen durch Duschen statt Baden, wassersparende WC-Spülkästen sowie Wasch- und Spülmaschinen, Durchflussbegrenzer, etc.).
Neben der Reduzierung des Trinkwasserverbrauchs durch wassersparende Maßnahmen besteht eine weitere Möglichkeit darin, den Verbrauch von Trinkwasser durch eine Substitution mit Hilfe der Nutzung von Regenwasser zu reduzieren. Die Regenwassernutzung ist jedoch nur eine Art der Regenwasserbewirtschaftung. Eine andere Möglichkeit stellt die Regenwasserversickerung dar. Welche der beiden Bewirtschaftungsarten die ökologisch sinnvollere ist, sollte in jedem Einzelfall geprüft werden. Faktoren, die bei der Entscheidung eine Rolle spielen können, sind z.B. die Nutzung des Gebäudes, dessen Lage und die örtlichen Bodenverhältnisse. Aber auch Aspekte wie ordnungsgemäßer Einbau der Anlagen (keine Probleme mit der Hygiene und mit Fehlanschlüssen) und Wirtschaftlichkeitsbetrachtungen sollten mit einbezogen werden. Die beste Lösung liegt sicherlich in einer Kombination von Regenwasserversickerung und Regenwassernutzung.
Mit einer Regenwassernutzungsanlage wird Dachablaufwasser in einem Speicher gesammelt und über eine Haus-wasseranlage (Pumpstation) für die Toilettenspülung und häufig auch zum Wäschewaschen, Reinemachen und für die Gartenbewässerung genutzt. Insgesamt lassen sich dadurch bis zu 50 % Trinkwasser durch Regenwasser ersetzen.
Häufig wird die Ansicht vertreten, dass sich eine Regenwassernutzungsanlage im Haushalt generell ökologisch auszahlt. Dabei wird übersehen, dass Regenwassernutzungsanlagen für Bau und Betrieb erhebliche Material- und Energieaufwendungen benötigen. Um die ökologische „Rentabilität“ einer Regenwassernutzungsanlage feststellen zu können, sind sämtliche Aufwendungen und Auswirkungen zu bilanzieren und dann in Bezug zu den Ökobilanzen der öffentlichen Wasserver- und -entsorgung zu setzen. Solche vergleichenden Ökobilanzen haben bislang Seltenheitswert, sie sind aber für jedes Wassereinzugsgebiet und jede Regenwassernutzungsanlage erforderlich, um eine ökologisch geführte Entscheidung pro oder kontra Regenwassernutzungsanlage vertreten zu können. Generell kann festgestellt werden, dass sich große Regenwassernutzungsanlagen mit hoher Nutzungsintensität eher ökologisch und ökonomisch rentieren als kleine Anlagen mit geringer Nutzungsintensität. Und wo Trinkwasser über weite Wege transportiert und aufwendig aufbereitet werden muss, macht die Regenwassernutzung mehr Sinn als in Gebieten mit günstiger Trinkwasserversorgung.
Fazit:
Sorgsamer Umgang mit Wasser ist ein Gebot der Stunde. Zu den ökologisch wie ökonomisch sinnvollen Wasserkonzepten zählen z.B. wassersparende Armaturen, die Regenwasserversickerung auf dem Grundstück oder →Dachbegrünungen. Zur Substitution von wertvollem Trinkwasser durch Regenwasser für WC-Spülung, Wäschewaschen und zur Gartenbewässerung eignen sich Regenwassernutzungsanlagen. Bei der Planung einer Regenwassernutzungsanlage sollte generell die lokale Wasserversorgungssituation und die Nutzung des Gebäudes berücksichtigt werden. Pro Regenwassernutzungsanlage sprechen z.B. Faktoren, die einen hohen Energiebedarf bei der öffentlichen Wasserver- und -entsorgung bedingen oder wenn Rohwasser aufwendig aufbereitet werden muss. Ebenso kann bei akutem Wassermangel in der Region oder wenn mit gravierenden ökologischen Schäden im Wassereinzugsgebiet zu rechnen ist, die Regenwassernutzung sinnvoll sein.
Im Hinblick auf eine hohe wasserwirtschaftliche Effektivität der Regenwassernutzung sollte eine möglichst weitgehende ganzjährige Nutzung des Regenwasserdargebots angestrebt werden. Sinnvoll ist die Regenwassernutzung am ehesten bei hohem Betriebs-, aber geringem Trinkwasserbedarf (Verwaltung, Industrie, Gewerbe), da hier ein hoher Trinkwassersubstitutionsgrad und gleichzeitig eine hohe Nutzungsintensität der Anlage erreicht wird.

Quellen

- A. Grohmann (Umweltbundesamt Berlin, Institut für Wasser-, Boden- und Lufthygiene), Brauchwassernutzung – machbar und sinnvoll?, Substitution von Trinkwasser als Betriebswasser in Gebäuden, Berlin 1996
- Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherverbände e.V. (Hrsg.): Regenwasser für Haus und Garten, Bonn 1998
- N. Geiler: Ökologische Aspekte der Regenwassernutzung im Haushalt, UBA-Texte 59/95, S. 22-39

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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