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"Zugige" Steckdosen

Wer die Renovierung seines Altbaus oder den Hausneubau selbst übernimmt, stößt oft bei der Auswahl oder dem Einbau von Materialien auf Probleme. Diese werden hier diskutiert.
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"Zugige" Steckdosen

Beitragvon ThorstLehmaSLF » Mi 13. Sep 2017, 18:40

Moin Moin zusammen

Wir leben jetzt seit circa drei Jahren in einem Altbau und ganz ehrlich: nie wieder!!!
Fängt damit an dass unsere Vermieter mit im Haus leben und meinen sie wären die Vollprofis in Sachen Renovierung etc - da wird das Dach zum Beispiel im Herbst (!) erneuert, klar dass es natürlich irgendwann regnet (welch Überraschung) und die ganze Brühe durchsickert zu uns in die Küche (weil das Dach ja offen ist)...
Bei Arbeiten in unserer Wohnung leg ich nunmehr lieber selbst Hand an, und da gibt's ne Menge.

Das Silikon aus der Dusche zu bekommen und neu (mit dem richtigen Silikon) zu verfugen hat mich gestern nen ganzen Tag gekostet, aber jetzt muss ich mich wenigstens nicht mehr ekeln wenn ich in die Dusche steigen will...
Folgende Problematik ist mir allerdings in den windigeren Monaten des Öfteren aufgefallen und ich weiß nicht so recht, wie ich die lösen kann:

Es kann recht zugig werden bei uns und damit einhergehend kühl, hab das bisher immer auf die alten Doppelfenster geschoben die völlig undicht sind.
Problem wurde durch eine Falzdichtung behoben.
Nun sitz ich aber vor heut morgen in der Küche, koche Tee und bekomme das Gefühl dass es aus der Steckdose zieht.
Bis dato war mir nicht mal bekannt dass sowas geht..
Bin vorsichtig mit dem Handrücken in die Nähe und ja, da zieht's wirklich raus.

Meine Frage ist jetzt wie ich das Problem lösen kann?
Würde es reichen den Rand etwas mit Silikon abzudichten?
Oder müsste man den Putz rundrum aufschlagen und eine neue einbauen, was meint ihr dazu?
Ich werd jetzt erstmal schauen wo das noch überall in der Wohnung der Fall sein könnte, hoffe ja es beschränkt sich nur auf die Küche.
Inwiefern kann da der Vermieter (durch Baupfusch oder ähnliches) eigentlich verantwortlich gemacht werden? Oder ist das durchaus ein häufiges Problem in Altbauten?
"Bei manchem Handwerker fällt der Groschen erst dann,
wenn man mit fünfzig Euro nachhilft."
ThorstLehmaSLF
 
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Re: "Zugige" Steckdosen

Beitragvon Manni486 » Do 21. Sep 2017, 17:12

Dein Problem ist kein unbekanntes und tritt häufig auf wenn man vermeintlich "sparen" will beim Bauen.
Dass sowas IMMER nach hinten losgeht ist eigentlich gar nicht weiter erwähnenswert.
Nun, der Ursprung solcher Leckagen liegt oftmals in Planungsfehlern - hierbei sei gesagt dass ein Planer auch 30 Jahre nach dem Bau haftbar gemacht werden kann, der Schaden somit vor Gericht geltend gemacht werden könnte...
Bei dir natürlich schwierig, da es sich um eine Mietswohnung handelt.

Luftdurchzug bei Steckdosen und Lichtschaltern resultiert daraus dass die luftdichte Ebene, der Putz, durchstoßen wird beim Bau.
Verwendet man dann keine passende Manschette/Dose kommt es zu dem Problem der Zugluft sowie Wärmeverlust.
Eine luftdichte Gebäudehülle ist jedoch das A&O!!!
Im allerschlimmsten Falle kann an kalten Tagen ein Kurzschluss entstehen aufgrund des sich in der Steckdose bildenden Kondenswassers.

In solchen Momenten empfehle ich Hausbesitzern immer einen sogenannten Blower Door Test.

"Beim Blower-Door-Test wird ein elektrisches Gebläse in den Rahmen einer offenen Eingangstür oder eines geöffneten Fensters eingesetzt, wobei hierbei minimale und maximale Öffnungsvorgaben eingehalten werden müssen. Das Gebläse erzeugt einen Unter- oder Überdruck im Gebäude, sodass Luftundichtigkeiten gemessen und genau lokalisiert werden können. In einem Messprotokoll werden die festgestellten Ergebnisse dokumentiert."
(Quelle: https://www.hausbauberater.de/blowerdoor-messung)


Wichtig hierbei ist dass der auszuführenden Firma sämtliche Gebäudepläne sowie Angaben über Lage/Art der Lüftungs- und Heizungsanlage vorgelegt werden, des Weiteren müssen alle Fenster sowie Türen 1-4 Std geschlossen bleiben sowie jeder Raum zugänglich sein.
Etwas aufwendig, geb ich zu, aber die zuverlässigste Möglichkeit herauszufinden wo die Gebäudehülle luftundicht ist.


Steckdosen sollte man NICHT mit Silikon verschliessen, die ist keine dauerhafte Lösung.
Die einzige Möglichkeit die ich aus der Ferne empfehlen kann sind sog. luftdichte Steckdoseneinsätze, hierbei muss ich jedoch erwähnen dass jene im Nachhinein kaum luftdicht einzubauen sind ohne den Putz rundherum vollständig abtragen zu müssen. Sorry!!


Was das Belangen des Vermieters angeht kann ich Folgendes sagen:

Für große sowie kleine Schäden ist immer der Vermieter zuständig.
Bei Kleinstreparaturen sind die Kosten vom Mieter zu tragen, bis zu einem Betrag von 77€.
Dies betrifft zum Beispiel Wasserhähne, Duschköpfe, Rollläden etc pp, also Gegenstände die einem häufigen Zugriff ausgesetzt sind.
Steht allerdings eine solche Kleinstreparaturklausel NICHT im Mietvertrag hat der Vermieter die Kosten immer selbst zu tragen.
In deinem Falle wären die Kosten demnach vom Vermieter zu tragen, da es sich nicht um Schäden handelt die durch unpfleglichen Umgang mit den Steckdosen entstanden sind.
Auf Welt.de gibt es dazu auch nochmal einen interessanten Artikel, aus dem ich teilweise frei zitiert habe:

https://www.welt.de/welt_print/article3 ... turen.html


An deiner Stelle würde ich mich umgehend mit dem Vermieter in Verbindung setzen und das Problem schildern, schon allein weil ja nun auch die kalten Jahreszeiten beginnen und sich Wärmeverlust durch eine undichte Gebäudehülle schnell in der Nebenkostenabrechnung bemerkbar macht...

grüße
Manni486
 
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Registriert: Fr 12. Aug 2016, 17:46


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