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Bauholz - Ökobilanz

Holzbaustoffe

Jährlicher Holzeinschlag ca. 30 Mio. m³, davon wird 1/3 für die Bauwirtschaft (ohne Innenausbau) genutzt; Verwendung von Holz als Schnittholz für Bretter, Bohlen und Kantholz sowie als Holzwerkstoffe, Dämmstoffe etc.

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Kant-/Brettholz (600 kg/m³)
natürlich getrocknet,
Holzfeuchte 15-20%
ca. 960 MJ/m³
Brettholz (550 kg/m³)
technisch getrocknet,
Holzfeuchte ca. 12%
ca. 1155 MJ/m³
Kantholz (550 kg/m³)
technisch getrocknet
Holzfeuchte ca. 12%
ca. 1705 MJ/m³
Schadstoffe
vorwiegend aus Emissionen der Transporte und der technischen Holztrocknung
Bestandteile
Holz; evtl. Zusätze Leim, Imprägnierung, Beschichtung etc.
Verfügbarkeit der Rohstoffe
ausreichend (für Holz als nachwachsender Rohstoff)

Nutzung

Schadstoffe bei der Verarbeitung am Bau
Holzstaubkonzentration in der Luft von Arbeitsbereichen nach TRK: 2 mg/m³; Holzstaubbelastung (ohne Eichen- und Buchenholzstaub), Einstufung GISBAU: Gefahr der Sensibilisierung; EG-Kategorie K3: Stoffe, die wegen möglicher krebserregender Wirkung beim Menschen Anlass zur Besorgnis geben, über die jedoch nicht genügend Informationen für eine befriedigende Beurteilung vorliegen.
Schadstoffbelastung im eingebauten Zustand
nein (unbehandeltes Holz)

Rückbau

Entsorgung
Wertstoff für die stoffliche oder energetische Verwertung
Wiederverwertung
hochwertige energetische Verwertung in Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen
Rückbauaufwand
gering bis hoch (je nach Einbausituation)

Zusammenfassung

In Deutschland wurden 1996 über 14,3 Mio m³ Schnittholz hergestellt, wovon 13,2 Mio m³ Nadelschnittholz und 1,1 Mio m³ Laubschnittholz waren. Kant- und Brettholz findet vorwiegend Verwendung für Dachstühle, Verschalungen, Holzbrücken, Türen, Holzfenster, Fußböden (Parkett), Treppen und Möbel. Die Nebenprodukte der Holzbe- und -verarbeitung werden hauptsächlich für die Herstellung von Plattenwerkstoffen genutzt.
Nachhaltigkeit:
Holz hat als nachwachsender Rohstoff unter Umweltgesichtspunkten erhebliche Vorteile gegenüber künstlich erzeugten Rohstoffen. Wälder und Holzprodukte sind wichtige Kohlenstoffspeicher. In Deutschland werden in Wäldern die Kohlenstoffemissionen von 10 Jahren und in Holzprodukten die von 1,5 Jahren gebunden. Erhöhter Holzverbrauch mindert zwar den Kohlenstoffvorrat im Wald, erhöht aber den in Holzprodukten. Zusätzlich substituiert verwendetes Holz andere Rohstoffe und fossile Energien und mindert dadurch Emissionen. Bei nachhaltiger Forstwirtschaft wird dem Wald durch die Holznutzung nicht mehr entnommen als durch den Zuwachs ersetzt wird.
Rohstoff für die Schnittholzherstellung ist Stammholz unterschiedlichster Dimension und Qualität. Zunächst wird das Holz im Wald geschlagen, entastet und entrindet und dann zur weiteren Aufbereitung ins Sägewerk transportiert. Grob geschätzt werden für den Transport bei 50 km Entfernung etwa 1,2 % und bei 300 km Entfernung etwa 7 % des Energieinhaltes von Holz in Form fossiler Primärenergie verbraucht. Als Transportmittel sind in Deutschland zu über 90 % LKW‘s im Einsatz. Für Nadelholz beträgt die mittlere Transportentfernung zwischen Wald und Sägewerk etwa 25 km bei kleinen Betrieben (<10.000 m³ Schnittholz/Jahr) und 160 km bei großen Betrieben (>100.000 m³/a). Laubholz wird im Mittel 70 km weit zum Sägewerk transportiert.
Aus 1,62 m² Stammholz der Fichte entsteht 1 m³ Fichtenschnittholz. Neben dem Hauptprodukt Schnittholz fallen marktfähige Nebenprodukte wie Rinde, Hackschnitzel und Sägespäne an (ca. 240 kg/m³ Fichtenschnittholz). Für die Erzeugung von Nadelschnittholz liegt der Verbrauch an Primärenergie für ungetrocknetes Schnittholz zwischen 155 und 510 MJ/m³. Dieser Wert schließt neben dem Verbrauch für Entrindung, Einschnitt, Nachschnitt, Sortierung und Verpackung auch den Treibstoff für den innerbetrieblichen Verkehr (Gabelstapler, Radlader etc.) ein. Für das Laubschnittholz liegt der vergleichbare Verbrauch an Primärenergie bei 260-670 MJ/m³. Es ist dabei unterstellt, dass der Energiebedarf zu 100 % aus dem Einsatz fossiler Energieträger gedeckt wird, die Nebenprodukte also vollständig stofflich genutzt werden.
In zunehmendem Maß wird aus Qualitätsgründen Schnittholz im Sägewerk künstlich, d.h. technisch getrocknet. Dieser Trocknungsprozess erfordert sowohl elektrische als auch thermische Energie. Ein Teil dieser Energie kann durch die Verbrennung von Holzabfällen erzeugt werden. Aufgrund des größeren Querschnitts bzw. der kleineren Angriffsfläche für die Trocknungsluft nimmt Kantholz einen höheren Trocknungsaufwand in Anspruch als Brettholz. Die Graue Energie für Kantholz liegt bei ca. 1700 MJ/m³, die von Brettholz bei ca. 1150 MJ/m³.
Fazit:
Natürlich getrocknetes sägeraues Massivholz benötigt zu seiner Herstellung sehr wenig Graue Energie, mit zunehmendem Verarbeitungs- bzw. Veredelungsgrad (techn. Trocknung, Hobeln, Verleimung) steigt die Graue Energie. Der Großteil der Primärenergie kann aus Holzreststoffen erzeugt werden und ist damit CO2-neutral. Bei der Aufbereitung zum Werkstoff lässt sich Stammholz vollständig verwerten, zum einen als Kant- und Brettholz, zum anderen als Rohstoff für Holzwerkstoffe, Reste können im Herstellerbetrieb energetisch genutzt werden. Es ist heimisches Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft mit kurzen Transportwegen zu bevorzugen. Biozide im Wald, Holzschutzmittel und Anstrichmittel sind nur in unbedingt notwendigem Maße anzuwenden. Für die Entsorgung von Althölzern ist die energetische Nutzung die günstigste Lösung.

Quellen

-www.baubook.at
-www.positivlisten.info
-www.natureplus.org
- Adriaans, Leuters, Löfflad (Arbeitskreis Ökologischer Holzbau e.V.): Positivliste Baustoffe, Kassel 1998
- Deutsche Gesellschaft für Holzforschung (Hrsg.): Holz, Rohstoff der Zukunft, München 2001
- Deutsche Gesellschaft für Holzforschung (Hrsg.): Ökobilanzen Holz, München 1999


Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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