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Kork Dämmstoff - Ökobilanz

Wärmedämmstoffe

Kork stammt aus der Rinde der heimischen Korkeiche; Herkunftsländer sind hauptsächlich Portugal (51 %), Spanien (28 %) und Italien (6 %); als Dämmstoff eignet sich sowohl zu Korkgranulat oder zu Dämmplatten verarbeiteter expandierter Kork; Granulat wird durch Vermahlen der geschälten Korkrinde hergestellt, expandierter Kork durch Korkgranulat, das mit Wasserdampf schockartig erhitzt wird (Backkork BK).
Eigenschaften: wärme- und schalldämmend, druckbelastbar, diffusionsoffen, verrottungsfest, Baustoffklasse B2
Verwendung: als Platten zur Wand- und Dachdämmung, unter Estrich; als Schüttung für Hohlräume unter Dach

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Korkplatten
ca. ca. 12,7 MJ/kg
Holzfaserplatten
ca. 20 MJ/kg
Zellulosefasern
ca. 3,2 MJ/kg
Schafwolle
ca. 16,4 MJ/kg
Schadstoffe
- Emissionen aus Verbrennungsgasen, evtl. Formaldehyd und Benzopyren
Bestandteile
- Kork der geschälten Korkrinde, keine Zusätze
Verfügbarkeit der Rohstoffe
- ausreichend (für Kork als nachwachsender Rohstoff)

Nutzung

Schadstoffe bei der Verarbeitung am Bau
- evtl. Staubbildung beim Zuschneiden
Schadstoffbelastung im eingebauten Zustand
- evtl. Geruchsbelästigungen durch verschwelte Korkplatten oder Korkgranulat

Rückbau

Entsorgung
- Entsorgung über Abfallverbrennungsanlagen
Verwertung
- Rücknahmesystem derzeit nur für Kleinstmengen wie z.B. Flaschenkorken
Rückbauaufwand
- bei loser Verlegung gering, bei Befestigung aufwendig

Zusammenfassung

Für Wärmedämmzwecke ist Kork sowohl in Plattenform als auch als Granulat einsetzbar.
Nachhaltigkeit:
Importierter Kork stammt zu etwa 80 % aus Portugal. Die Korkeichenwälder werden vom Portugiesischen Kork-Institut gemäß den Richtlinien der nachhaltigen Forstwirtschaft kontrolliert. Korkeichen werden i.d.R. nicht gedüngt oder mit Pestiziden behandelt. Alle 9 Jahre kann die Korkrinde geschält werden, in einem Baumleben sind 15-20 Ernten möglich. Hauptabnehmer für Kork sind Hersteller von Flaschenkorken, Dämmstoffe entstehen als Nebenprodukt. Als Rohstoff für die Dämmstoff- und Bodenbelagsherstellung (Korkböden) dienen hauptsächlich Rest- oder Abfallstoffe, zum einen Rohlingsreste, die beim Ausstanzen der Flaschenkorken übrig bleiben, zum anderen Korkrinde der ersten Ernte („Jungfernrinde“), die aus Qualitätsgründen für die Herstellung von Flaschenkorken nicht infrage kommt. Im allgemeinen erfolgt die Verarbeitung zu Dämmkork im Herkunftsland. Bei der Herstellung wird Kork zu Schrot gemahlen und mit Wasserdampf und unter Druck gebläht. Für sehr harzreichen Kork („Jungfernkork“) genügen 250-280 °C Temperatur, sonst müssen 300-400 °C erreicht werden. Dabei wird der Korkschrot bis auf das 5-fache seines Volumens aufgebläht und mit dem austretenden Harz (Suberin) zu Blöcken gepresst. Danach werden die Blöcke mit 70 °C heissem Wasser besprüht. Der Herstellungsprozess bedarf strenger Kontrollen, da bei hohen Temperaturen auch Formaldehyd und Benzopyrene freigesetzt werden können.
Die Verarbeitung, das Schroten und Expandieren des Korkes, verursacht rund 3/4 der Grauen Energie, der Transportaufwand für den Korkrohstoff von Portugal bis Grenze Deutschland per Schiene beträgt ca. 1,2 MJ/kg. Wird das Produkt dagegen bereits in Portugal fertiggestellt (expandiert) und per LKW nach Deutschland transportiert, erhöht sich die Graue Energie um mindestens 25 %. Auf den Treibhauseffekt wirkt sich der Lebenszyklus von Backkork insgesamt reduzierend aus (-1,39 kg CO2-Äq./kg Dämmstoff). Kork ist außerdem ein „Plusenergieprodukt“, d.h. es wird mehr Energie aus der energetischen Nachnutzung gewonnen als für die Herstellung des Dämmstoffes aufzuwenden ist.
In Portugal bedecken Korkeichenwälder fast ein Drittel der gesamten Landfläche und bieten langfristige Erwerbsmöglichkeiten für strukturschwache Regionen. Die Korkeiche steht jedoch bereits in starker Konkurrenz zum nicht einheimischen, schnellwüchsigen Eukalyptusbaum, der Rohstoffe für die skandinavische Zellstoffindustrie liefert.
In der Nutzungsphase kann Kork über längere Zeiträume Geruchsstoffe emittieren, hauptsächlich Phenol und Furfural. Im Verdacht stehen vor allem expandierter Korkschrot, der bei zu hohen Prozesstemperaturen erzeugt wurde, sowie vereinzelt auch verschwelte Korkplatten. Ohne Prüfzertifikat sollte geruchsauffälliger Kork in Innenräumen nicht eingesetzt werden.
Als Entsorgungsweg besteht für Kork die Möglichkeit der Deponierung oder besser der Verbrennung in Abfallverbrennungsanlagen mit Energienutzung. Nur kleinteilige Korkprodukte, hauptsächlich Flaschenkorken, werden derzeit bereits gesammelt und z.B. zu Korkschrot weiterverarbeitet („Recy-Kork“).
Fazit:
Mit einer Wärmeleitfähigkeit von günstigstenfalls 0,040 W/mK (→www.positivlisten.info/) erweist sich Kork als gut geeigneter Wärmedämmstoff. Günstig auf das ökologische Profil wirkt sich dabei aus, dass Kork ein regenerativer Rohstoff ist und als Dämmstoff aus Reststoffen der Korkverarbeitung und ohne Zusatzstoffe hergestellt wird. Kork ist sowohl als Granulat wie auch als Dämmstoffplatte am Bau vielseitig einsetzbar. Auch für die Fassadendämmung (→WDVS) eignet sich Kork, schneidet jedoch in der Ökobilanz nicht ganz so gut ab wie EPS Graphit.
Mit nur 0,5 % Anteil spielt Kork derzeit eine untergeordnete Rolle am deutschen Dämmstoffmarkt. Trotz des jährlichen Korkzuwachses von 3-5 % bleibt die Verfügbarkeit des Rohstoffes auch längerfristig sehr begrenzt, Kork kann somit nicht in nennenswertem Umfang zur Lösung künftiger Dämmaufgaben beitragen.

Praxistest

Kork wird verschiedentlich empfohlen für die verputzte Fassadendämmung, bei guter Ökobilanz in Verbindung mit mineralischem oder Silikat-Deckputz. Der Hinweis im Datenblatt "bei längerer Nässe ist Pilzbefall möglich" würde mich allerdings vor diesem Experiment abschrecken. Nicht ganz problemlos ist auch die Anwendung von Korkplatten bei der Zwischensparrendämmung oder Dämmung bei Holzrahmen- und Holztafelbauweise. Strenggenommen wäre hier nach DIN-Norm chemischer Holzschutz fällig. Außerdem erfordert das Einpassen der Korkplatten zwischen die Sparren einen Zuschnitt, der mit hoher Staubentwicklung verbunden ist.
Bevorzugt verwende ich dagegen Rollenkork als Trittschalldämmung (statt der üblichen Kunstschaumprodukte). Kork eignet sich auch gut als Trennstreifen bei Parkett-Anschlussfugen und für sonstige Bewegungsfugen.

Quellen

- eco-devis Nr. 342 Verputzte Außenwärmedämmungen (www.eco-bau.ch) Basel 2002
- www.natureplus.org
- www.positivlisten.info/
- www.baubook.at
- www.kork-store.de/kork.html
- www.faist.de/Bautechnik/kork.html
- Mötzl, H., Zelger, T. (Hrsg.: IBO - Österreichisches Institut für Baubiologie und -ökologie, Donau-Universität Krems, Zentrum für Bauen und Umwelt): Ökologie der Dämmstoffe, Wien 2000

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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