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Gipskartonplatten - Ökobilanz

Bauplatten

Gipskartonplatten werden aus Stuckgips, kaschiert mit einem festhaftenden Karton, hergestellt. Gipsfaserplatten bestehen aus Gips und darin eingebetteten, gleichmäßig verteilten Armierungsfasern (Zellulosefasern).

Herstellung

Energieverbrauch (Graue Energie)
Gipskartonplatte (5% Graukarton)
5,06 MJ/kg
Gipskartonplatte (Feuerschutz)
5,17 MJ/kg
Gipsfaserplatte (18% Altpapierfasern)
5,16 MJ/kg
Schadstoffe
- vorwiegend aus Emissionen zur Energiegewinnung
Bestandteile
Gipskartonplatten:
- ca. 95% Gips (Naturgips/REA-Gips)
- ca. 5% Karton (100% Altpapier)
- (evtl. Zusatzstoffe)
Gipsfaserplatten:
- Naturgips/REA-Gips
- 15-20% Zellulosefasern aus 100% Altpapier
- ca. 1% wässrige Beschichtung auf Stärke/Silikon-Basis
Verfügbarkeit der Rohstoffe
- Naturgips: begrenzt
REA-Gips: begrenzt
- Karton/Zellulose: ausreichend

Nutzung

Schadstoffe bei der Verarbeitung am Bau
- Staubbelastung beim Zuschneiden:
MAK-Wert 6 mg/m³ (alveolengängige Fraktion, früher: Feinstaub)
Schadstoffbelastung im eingebauten Zustand
- Gipsbauplatten wurden bis vor kurzem mit dem RAL-Umweltzeichen 60 gekennzeichnet, wenn sie folgende Anforderungen erfüllen:
- 100% REA-Gips (aus Rauchgas-Entschwefelungs-Anlagen)
- Karton/Zellulose aus 100% Altpapier
- Die radioaktive Eigenstrahlung muss die Anforderungen der Leningrader Summenformel einhalten.
Da für kein Produkt der Blaue Engel beantragt wurde, wurde das Kennzeichen RAL-UZ 60 zurückgezogen.

Rückbau

Entsorgung
- deponierbar als Bauschutt

Verwertung
- Recycling derzeit nur bei sauberen, sortenreinen Abfällen durchführbar (sehr saubere Abfälle können für Rekultivierungsmaßnahmen im Bergbau eingesetzt werden)
Rückbauaufwand
- meist hoch (insbesondere bei Verbundstoffen)

Zusammenfassung

Der Hauptanwendungsbereich von Gipsbauplatten liegt im Trockenbau. Gipsbauplatten wirken klimaregulierend, da sie überschüssige Luftfeuchtigkeit aufnehmen und diese bei trockenem Raumklima wieder abgeben. Gipskartonplatten bestehen aus einem Gipskern und einer Ummantelung aus Karton, Gipsfaserplatten enthalten neben dem Grundstoff Gips zur Armierung 15-20% Papierfasern.
Nachhaltigkeit:
Der Gipsverbrauch im Jahr 2000 lag in Deutschland bei über 9 Mio. t. Davon standen über 5 Mio. t als REA-Gips aus Rauchgas-Entschwefelungsanlagen der Kohlekraftwerke zur Verfügung. Naturgips ist in Deutschland nur in vier Gebieten noch in erheblichem Umfang vorhanden. Zur Schonung der natürlichen Rohstoffressourcen und der schützenswerten Landschaften sollte daher vorrangig der REA-Gips verbraucht und der restliche Bedarf mit Naturgips gedeckt werden.
Gemäß Untersuchung (Beckert-Studie) sind die REA-Gipse genauso rein oder reiner als Naturgipse. Langfristig gilt die Erzeugung von REA-Gips allerdings als unsicher, da es infolge der europaweiten Liberalisierung des Strommarktes zwangsläufig zur Abschaltung kostenintensiverer Kohlekraftwerke kommen wird.
Gipskartonplatten können aus Naturgips und/oder REA-Gips hergestellt sein. Dabei wird der Rohgips zunächst bei Temperaturen von ca. 150 °C zum sog. Stuckgips kalziniert. Schließlich wird der feingemahlene Stuckgips wieder mit Wasser vermischt und auf Bandstraßen zwischen zwei Kartonlagen aufgetragen. Neben der Herstellung des Gips-Halbhydrates (Stuckgips) macht die Wärme zur Trocknung und Verfestigung der Platten etwa 35-55 % der Grauen Energie aus (Graue Energie gesamt = 5490 MJ/m³).
Bei Gipsfaserplatten erfolgt die Armierung der Platten mit gleichmäßig im Gips verteilten Papierfasern (aus 100 % Altpapier). Das Gipsfasergemisch wird trocken auf ein laufendes Band aufgetragen, bewässert und anschließend unter hohem Druck zu Platten gepresst (Graue Energie gesamt = 6190 MJ/m³).
Zum Recycling von Gipskarton-/Gipsfaserplatten eignen sich verschiedene Verfahren, für die beim Rückbau anfallenden meist verunreinigten Platten kommen derzeit nur sehr aufwendige Verfahren in Betracht. Voraussetzung für die Rückgewinnung von Gips ist eine hohe Sortenreinheit, die in der Baupraxis i.allg. nicht vorliegt bzw. nur mit unverhältnismäßig hohem Aufwand herstellbar wäre. Unbedingt zu vermeiden sind deshalb Verklebungen im Verbund mit Störstoffen wie Kunststoff-Folienüberzügen oder Schaumstoff-Wärmedämmungen.
Fazit:
Gipskarton- und Gipsfaserplatten lassen sich in einfachen Prozessschritten und mit einem vergleichsweise geringen Aufwand an Grauer Energie herstellen. Die Grundstoffe Naturgips und REA-Gips sind mittelfristig noch ausreichend vorhanden. Aufgrund seiner Herkunft als Nebenprodukt der Kohlekraftwerke weist REA-Gips im Vergleich mit Naturgips das eindeutig günstigere ökologische Profil auf. Bislang erhält der Verbraucher jedoch keinen Hinweis auf den bei der Produktion verwendeten Gips. Das frühere Umweltzeichen RAL-UZ 60 für Gipskarton- und Gipsfaserplatten wurde zurückgezogen, da für kein Gipsprodukt der Blaue Engel beantragt wurde. Dies lag wohl im wesentlichen an der Forderung "zu 100% aus REA-Gips".

Praxistest

Gipskartonplatten sind im Trockenbau heute praktisch unersetzlich. Die Ökobilanz von Gipskarton- und Gipsfaserplatten ist gut, allerdings gibt es Abstriche wegen Nicht-Kennzeichnung der Gipsherkunft.
Ökotips: Unterkonstruktion besser aus Holz anstatt Metall. Für Brandschutz und Schallschutz besser Gipsfaserplatte (GF) statt spezielle Gipskartonplatte einsetzen. Spachtelmasse besser selber anrühren statt fertige Topfware verwenden (das spart auch Kosten). Wegen Staubentwicklung: Spachtelgrund glätten besser mit "Schwanenhals" und Geräteabsaugung statt mit Gitter schleifen; zusätzlich Atemschutzmaske FFP2 und Schutzbrille tragen (gilt auch beim Schneiden von Gipsfaserplatten). Weiterverarbeitung: Grundierung besser mit wasserverdünnbarem Tiefgrund statt mit lösemittelhaltigem Tiefgrund.
Gipsplatte und Wärmedämmstoff: Nach Möglichkeit getrennt einbauen. Wenn Verbundplatte unumgänglich, besser Mineralfaser statt Kunstschaum wählen.

Rätselhaft: In den ganz normalen Gipskartonplatten (GKB) finden sich durchweg eingebundene Kunststofffasern. Laut Fachliteratur sollte das aber nur bei Feuerschutzplatten (GKF) der Fall sein.

Quellen

- www.wecobis.de (Bauplatten)
- www.ibo.at (Kennwerte Baustoffe)
- www.blauer-engel.de
- www.natureplus.org/
- www.positivlisten.de
- Beckert, J.; Einbrodt, H.J.; Fischer, M.: Bericht und gutachterliche Stellungnahme über Untersuchungen zur gesundheitlichen Beurteilung von Naturgips und REA-Gips aus Kohlekraftwerken im Hinblick auf deren Verwendung zur Herstellung von Baustoffen, 1995
- www.eco-bau.ch (eco-devis Nr. 643 „Gipserarbeiten: Trockenbau Wände“, Hochbauamt des Kantons Bern, 2001)

Die vorliegenden Datenblätter wurden mit freundlicher Genehmigung des Blok Verlag dem Buch "Nachhaltiges Bauen in der Praxis" entnommen.

Verfasser der Baustoff-Datenblätter:
Bernhard Kolb, seit über 30 Jahren tätig im Bereich energieeffizientes und nachhaltiges Bauen. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Thema.

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